Die guten alten Zeitungen taten sich mit der Berichterstattung über Software, Betriebssysteme und deren Zipperlein immer sehr schwer.
Entweder hatten die Artikel einen gedämpft spöttischen bis zynischen Unterton ("Faszinierend, womit sich erwachsene Menschen den ganzen Tag beschäftigen können") oder waren rundweg vernichtend ("Meine Notizzettelsammlung und die 1958er Triumph-Adler funktionieren auch bei Stromausfall noch").
Das ist in den letzten wenigen Jahren etwas besser geworden. Die Journalisten haben gesehen, dass alle nennenswerten Zeitungen und Presseagenturen auch im Netz publizieren und sie trotzdem nicht arbeitslos geworden sind.
Was aber immer extrem dünn war (und noch ist), ist die Berichterstattung über Fehlfunktionen und Sicherheitsprobleme. Da muss schon eine mittlere Katastrophe wie der aktuelle 0-day des Internet-Explorers kommen, damit die Presse mal wach wird und plötzlich hektisch vorrechnet, dass die Zahl der akut gefährdeten Systeme in Deutschland in zweistelliger Millionenhöhe liegt.
Selbst bei wirklich ernsten Problemen kommen die Artikel mit einer solchen Verzögerung in die Blätter, dass man sie eigentlich schon wieder ignorieren könnte, weil die Information inzwischen wertlos geworden ist.
Während der IE-Exploit vom ISC und kurz danach von Slashdot am 10.12.08
breitgetreten wurde, ließen sich namhafte Tageszeitungen bis zum 14., 15., oder gar 16.12. Zeit mit der Berichterstattung (sh. Screenshots).
Dass Microsoft sich für den Patch siebeneinhalb Tage Zeit nimmt (er soll heute gegen Abend erscheinen), ist natürlich auch nicht glorreich. Aus der Presse werden wir's wahrscheinlich am Heiligabend erfahren.